Yooka-Laylee Test Yooka-Laylee (PC/PlayStation4/XboxOne/Nintendo Switch)

Yooka-Laylee – Eine Zeitreise zurück in die 90er Jahre

Sind die goldenen Jahre der 3D-Plattformer zurück?

[Anmerkung: Redakteur war Kickstarter-Backer und hat das Exemplar, das für den Test verwendet wurde, selbst gekauft. Getestet wurde die PlayStation 4-Version.] 

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Aus Bär und Vogel mach Chamäleon und Fledermaus: Das muntere Kämpferduo macht sich auf die Reise, alle Pagies zu finden und Capital B ein Schnippchen zu schlagen.

Außerhalb der Racing- und Simulations-Szene sind sie selten geworden, die Spiele, in denen es nicht auf die Story allein ankommt. Wenn wir aber ungefähr 20 Jahre in die Vergangenheit blicken, in die Zeit als ich, wie viele meiner Freunde, so zwischen 6 und 10 Jahren alt waren, sieht die Sache etwas anders aus: Rareware glänzte mit Spielen wie Donkey Kong Country, Conker’s Bad Fur Day, und allen voran Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie, die heutzutage noch als echte Perlen unter den 3D-Plattformern gelten. Daneben gab es Mario 64, Ratchet&Clank, Crash Bandicoot und viele andere, die, auf dem gleichen Konzept basierend, die ‚90s Kids‘ in ihren Bann zogen.
Schon 2012 schloss sich eine Gruppe ehemaliger Rareware-Entwickler zusammen und kündigte auf Twitter unter dem gemeinsamen Alias „Mingy Jongo“ (einer der Bosse aus Banjo-Tooie) einen Nachfolger für Banjo-Tooie an. Das Projekt, wie auch das Twitterprofil wurden damals dann auf unbestimmte Zeit eingefroren, bis letzten Endes derselbe Account zum jetzigen Playtonic Games umbenannt und reaktiviert wurde. Es folgte eine sehr erfolgreiche Kickstarter-Kampagne, und am 11.04.2017 wurde Yooka-Laylee, der spirituelle Nachfolger von Banjo-Kazooie, veröffentlicht.

Unkomplizierte Handlung, mehr Gameplay – so lautet die Devise!

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Profitgier über alle Maßen: Capital B und Dr. Quack schrecken vor nichts zurück, die Gewinne der Hivory Towers ins Unermessliche zu treiben.

Die Kern-Zielgruppe von Yooka-Laylee dürfte nicht viele überraschen: man legt die Disc ein und bekommt ein Hauptmenü genau wie es früher bei den Banjo-Titeln war. Die Stimmen der Charakter, ob im Spiel selbst oder in den Reitern der Menüs, sind denen der damaligen Nintendo 64 – Lieblingen nachempfunden. Kurz gesagt, Nostalgie Overload.

Die Story des Spiels hat man recht schnell umrissen:

Chamäleon Yooka und Fledermaus Laylee leben unbeschwert in der Schiffbruchbucht, als eines Tages plötzlich alle Bücher der Welt in den Himmel gesogen zu werden scheinen und daraufhin verschwinden. Die Drahtzieher dahinter sind die fiese Wirtschaftsmagnaten-Biene Capital B, Präsident der Hivory Towers (ein Wortspiel zu ‚Ivory Tower‘, Elfenbeinturm – und Hive, den Bienenstock) und sein Vizepräsident, Dr. Quack, ein Entenkopf in einem mit Flüssigkeit gefüllten Kaugummispender aus den 90ern.

Eines der Bücher befindet sich in Laylees Besitz, und wird all seiner Seiten beraubt, als es in den Bücherstrom gezogen wird. Wie sich herausstellt, ist dieses eine Buch gar nicht so gewöhnlich wie zunächst von der kleinen violetten Fledermaus vermutet: Die Seiten dieses Wälzers enthalten den Schlüssel zum Universum und wer immer dieses Buch in Händen hält, besitzt praktisch grenzenlose Macht. Und genau hinter diesem Buch sind Capital B und sein abgebrühtes Unternehmen her.

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Dr. Puzz und ihre technologischen Errungenschaften ersetzen Mumbo Jumbo und verwandeln unsere Helden, um ihnen auf ihrem Abenteuer zu helfen.

Selbstverständlich machen sich die Helden dieser Geschichte also auf, um die Seiten des Buches einzusammeln und die bösen Pläne von Capital B und Dr. Quack zu durchkreuzen.

Das mag zwar für den einen oder anderen nicht nach einer wahnsinnig vielversprechenden Handlung klingen, und bis auf das Finale des Spiels wird der Erzählstrang auch nicht allzu sehr weiterverfolgt, was jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Titeln nicht schlimm ist, denn Yooka-Laylee lebt nicht von seiner Story, sondern vom Gameplay allein.

 

Wieso auf Questen bauen, wenn man das ganze Spiel zu einer Sammelquest machen kann?

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Von den Tropen, durch das Eis bis ins Casino: Die Welten von Yooka-Laylee sind ansprechend und abwechslungsreich gestaltet.

Ihr nehmt’s gern genau? Ihr mögt Perfektion? Ein Spiel ist nicht fertig gespielt bis nicht jeder Gegenstand gefunden und jedes Achievement ergattert ist? Dann ist Yooka-Laylee definitiv was für euch.

Bis auf wenige Ausnahmen, die man so halbwegs als „Quests“ bezeichnen kann, liegt der Fokus des Spiels ganz klar auf dem Sammeln. Wer damals eines der oben angeführten Spiele gespielt hat, wird sich hier sofort zurecht finden. Es gibt fünf Großwälzer-Welten, in denen es gilt, 25 Pagies, 5 Ghost Writer und 200 Federn pro Welt zu sammeln. Darüber hinaus gibt es noch spezielle Collectibles, mit denen man zum Beispiel Verwandlungen, Arcade-Spiele, oder mehr Leben freischaltet. Außerdem gibt es die Funktion, die Welten für Pagies zu erweitern. Während die Grundform der ersten Welt zum Beispiel recht überschaubar wirkt, fügt die erweiterte Version neue Inseln, neue Charaktere und viele weitere Sammelobjekte hinzu. Dies ist beim ersten Erleben definitiv ein richtiges „Wow!“-Erlebnis.

Auch die altbekannten Moves finden sich hier wieder: normaler Angriff, Stampf-Attacke, den Sprint gibt es in Form von Yooka, der sich einrollt und so rasant durch die Welt kullert. Seine Moves erkauft man sich in Yooka-Laylee von Trowzer, einer sprichwörtlichen Hosenschlange, für die Federn, die man auf seiner Reise sammelt. Außerdem gibt es auch temporäre Boosts, die man nutzen kann, um bestimmte Passagen in den einzelnen Levels etwas einfacher bestehen zu können. Das Plattforming ist fair gestaltet, die Pagies sinnvoll und strategisch platziert, um dem Spieler einen groben Anhaltspunkt zum Weitermachen zu bieten, und die teils sehr kreative Platzierung der Federn motiviert zum Erkunden der gesamten Spielwelt.

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Pagies, Federn, Gesundheitsstrecker: Wer gern sammelt und für wen 99% nicht genug sind, wird dieses Spiel lieben.

Allerdings ist die Steuerung der Charaktere manchmal etwas knifflig. Die Sensibilität, mit der man seine Spielfigur kontrolliert, scheint nicht immer konstant zu sein. Im einen Moment fühlt sie sich millimetergenau an, im nächsten scheint man ein gewisses Spiel in der Steuerung zu spüren. Dies macht natürlich immer wieder Schwierigkeiten, vor allem, wenn es um ganz präzise Sprünge oder das Zielen mit Eis- und Feuerprojektilen geht. Auch beim Rollen, und beim Springen während des Rollens, gibt es immer mal wieder Umstimmigkeiten. Dies fällt besonders bei Rennen auf, wenn es darum geht, im Rollen Schmetterlinge einzusammeln, um seine Energie aufrecht zu erhalten. Hierbei ist es des Öfteren passiert, dass der Sprung wider Erwarten entweder direkt auf Knopfdruck, oder mit ein wenig Verzögerung einsetzte. Sowas frustriert natürlich bei häufigem Auftreten.

Jedoch muss ich auch sagen, dass diese Fehler nicht konstant auftreten, und mit ein wenig Zeit gewöhnt man sich auch recht schnell daran. Alles in allem hat dies mein persönliches Spielerlebnis nicht allzu sehr getrübt.

Playtonic Games hat auch auf visueller Ebene solide Arbeit geleistet

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Strahlende Farben, klare Texturen: Yooka-Laylee liefert ein Beispiel dafür, was passiert, wenn Profis mit der Unity-Engine arbeiten.

Yooka-Laylee läuft auf der Unity-Engine. Als dieses Detail veröffentlicht wurde, haben viele Gamer wohl geschluckt. Denn wer sich schon einmal etwas über die verschiedenen Engines, die heutzutage am meisten verwendet werden, informiert hat, wird wissen, dass die Unity-Engine nicht nur Freunde hat.
Allerdings darf man natürlich nicht vergessen, dass bei Yooka-Laylee erfahrene Entwickler am Werk waren, weshalb man, bis auf gelegentliche Framerate-Wackler und mir unerklärliche Hänger in den Ladebildschirmen selbst, eigentlich keine wesentlichen Probleme erlebt. Die farbenfrohe Welt, sowie die Charaktere sind allesamt liebevoll gestaltet animiert und vertont. Unebenheiten, die es in der Toy-Box-Demo, die es für Vorbesteller und Kickstarter-Backer gab, wurden behoben und insgesamt läuft das Spiel wunderbar flüssig. Ein besonderes Lob an dieser Stelle für die Kamerasteuerung. Wer früher Banjo-Kazooie gespielt hat, weiß, wie schwierig es war, die beiden unter Wasser zu steuern, hauptsächlich, weil die Kamera nicht mitspielen wollte. Bei Yooka-Laylee wäre mir bislang, bis auf eine Stelle in der ersten Spielwelt, wo die Kamera mit den umgebenden Kollisionsobjekten hadert, nicht aufgefallen, dass man mit der Kameraführung zu kämpfen hätte.

Eine Sache ist mir jedoch aufgefallen: Die erste Spielwelt, die Stammblocktropen, ist so beeindruckend und abwechslungsreich gestaltet, mit vielen Unterschiedlichen Kulissen und Bereichen, dass die nachfolgenden Welten dadurch ziemlich in den Schatten gestellt werden. Das soll nicht heißen, dass mir diese weniger Spaß gemacht hätten – keine Welt gleicht der anderen, die Designer haben abwechslungsreiche Themen und Gebiete gewählt, die mit ihren ganz eigenen Anforderungen und Herausforderungen kommen. Aber die wohl eindrucksstärkste Welt war für mich definitiv die Stammblocktropen, was ich im Nachhinein eigentlich etwas schade fand, denn jede der Großwälzer-Welten ist grundsätzlich gut gemacht und hat jede Menge Potenzial, das nur leider nicht so gut wie in der ersten Welt genutzt wurde.

Yooka Laylee Header
Verena Liebl
editor

Fazit:

Wie bereits oben erwähnt: Wer als Kind die Banjo-Kazooie-Spiele mochte, wird Yooka-Laylee höchstwahrscheinlich auch mögen. Das Spiel fühlt sich an, wie damals am Nintendo 64, nur mit sensiblerer Steuerung. Das gesamte Spiel ist eine Hommage an Rarewares goldene Jahre, voll Nostalgie, Throwbacks in die eigene Kindheit und einem charmanten, teils etwas übertriebenen Eigenhumor. Das Spiel an sich, ist auf jeden Fall solide. Das Gameplay ist ansprechend, intuitiv und gut umgesetzt. Allerdings denke ich, dass man die beste Erfahrung macht, wenn man Banjo-Kazooie kennt und die ganzen Anspielungen auf die alten Zeiten versteht. Für manche mag zum Beispiel die sehr eigene Vertonung der Charaktere befremdlich wirken, aber so was das halt damals. Und ich kann bestätigen, dass die Maxime „spiritueller Nachfolger von Banjo-Kazooie“ insgesamt doch hervorragend umgesetzt wurde. Man spürt, dass hier nicht nur versucht wurde, mit einem alten Format neues Geld zu scheffeln, sondern dass das Entwicklerteam, von dem ein Teil ja sogar die damaligen Spiele mitentwickelt hat, viel Herz und vielleicht auch persönliche Nostalgie einfließen hat lassen, um den Spielern, die von Banjo-Kazooie Nuts & Bolts enttäuscht wurden, einen würdigen „dritten Teil“ für eines der Spiele ihrer Kindheit zu liefern.

Good

  • Visuell ansprechendes, liebevolles Design
  • Gut ausgearbeitete Spielmechaniken
  • Intuitive Steuerung
  • Ein echter Nostalgie-Rausch
  • Nicht Story-lastig, daher auch für Gelegenheits-Spieler und jüngere Gamer

Bad

  • Steuerungs-Sensibilität nicht immer konstant
  • Die erste Spielwelt überschattet den Rest des Spiels ein wenig
  • Gelegentliche Performance-Einbrüche
  • Der Beginn des Spiels ist recht Info-überladen
8.5

Sehr Gut

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