Nex Machina Test (PC/Playstation 4)

Nex Machina – Die Maschine des Todes

[Anmerkung: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt – die geteste Fassung ist die Playstation 4 Version]

Die Handlung ist nur reine Nebensache

Nex Machina

Durch die einfache Steuerung findet man sich schnell in solchen Situationen zurecht

Hier hat man es mit einem Twin-Stick Shooter zu tun in dem man sich aus der Vogelperspektive Horden von Gegnern stellen muss. Bei Nex Machina besteht dieses Kanonenfutter aus Robotern, die von einer abtrünnigen künstlichen Intelligenz gesteuert werden. Die Geschichte greift hier in die Klischee-Kiste. Altbekannte Bilder von der dekadenten Menschheit werden heraufbeschworen, die sich von ihren mechanischen Helfern umsorgen lässt, bis diese irgendwann erkennen, dass sie ihre menschlichen Herren nicht mehr benötigen. Auch wenn diese Handlung nur Mittel zum Zweck ist, hätte man sich doch eine nicht ganz so minimalistische Präsentation und wenigstens ein Mindestmaß an Inszenierung wie eine Eröffnungs- oder Abschluß-Cutscene gewünscht. Solche kleinen Geschichtsfetzen sind eine willkommene Abwechslung in den Verschnaufpausen zwischen den Levels und verstärken zudem die Immersion. Auch weil ein sehr toller animierter Trailer im Vorfeld der Veröffentlichung erstellt wurde, verwundert es etwas, dass Housemarque die Präsentation so mager gehalten hat. So lässt sich sagen, dass Nex Machina 0% Handlung und 100% Gameplay ist – und durch dieses lebt und atmet das Spiel.

Einfach aber gut

Nex Machina

Die Pfeile zeigen euch den Weg zur nächsten Geisel

Man wird also ohne großartige Tutorials einfach und direkt in das Spiel gestoßen, indem der namenlose Held sein Hoverbike direkt in eine Arena voller Roboter stürzt. Tutorials sind auch nicht wirklich notwendig, denn die Steuerung ist einfach aufgebaut und geht präzise, ohne jegliche Verzögerung von der Hand. Nach dem Twinstick-Prinzip bewegt man sich mit dem linken Analogstick und feuert frei im 360° Radius mit dem rechten. Die linken Schultertasten erlauben einen kurzen Schub, durch den man für wenige Sekundenbruchteile unverwundbar wird und sich so aus brenzligen Situationen retten kann. Die rechten Schultertasten feuern Spezialwaffen ab. Damit hat man auch schon das gesamte Rüstzeug um sich den stählernen Armeen stellen zu können.

Kurz aber sehr knackig

Nex Machina

Jeder der sechs Bosse hat drei abwechslungsreiche Angriffsphasen, die einem das Leben schwer machen

Eine beliebte Philosophie von gutem Spieledesign ist es, wenn etwas einfach zu erlernen aber schwer zu meistern ist. So hat man zwar die Steuerung von Nex Machina innerhalb von weniger als einer Minute erlernt, aber man wird etliche Stunden brauchen bis man den finalen Boss auf dem normalen Schwierigkeitsgrad knackt. Dieser lauert hinter insgesamt sechs Welten mit jeweils 15 Stages und fünf anderen Bossen. Der Weg dahin ist kurz aber sehr steinig, denn es wird einem schon auf dem gewöhnlichen Schwierigkeitslevel nichts geschenkt. Eine kurze Achtlosigkeit kostet einem schnell ein Leben und die Dauer der schützenden Unverwundbarkeitsphase ist auch knapp bemessen. Dann wären da selbstverständlich die Wellen von hunderten bonbonfarbener feindlicher Kugeln, die einem das Leben im Bullet-Hell Stil schwermachen. So muss man ständig schnelle Entscheidungen unter Druck treffen. Welche Gegner schaltet man als erstes aus, damit die feindliche Übermacht nicht zu groß wird? Rettet man einen Menschen, der an einer besonders ungünstigen Stelle herumläuft, oder schützt man die eigene Haut? Bei der pausenlosen Action bleibt einem nur wenig Zeit zum denken und genau das erzeugt einen wunderbaren Adrenalinrausch.

Überleben durch überlegene Feuerkraft

Nex Machina

Ohne Power-Ups lässt sich dieser Kampf kaum überleben

Zum Glück hat man die Wahl zwischen fünf unterschiedlichen Spezialwaffen, wie einem Schwert oder Laserstrahl, die auch vergleichsweise kurze Abklingzeiten haben, bevor sie wieder benutzt werden können. Weiterhin gibt es zusätzliche Powerups wie einen Schild oder den dreifachen Dash, die einem das Leben etwas einfacher gestalten. Das Gemeine ist allerdings, dass man nach mehrmaligem Ableben seine Ausrüstung nach und nach verliert, was sich gerade beim letzten Bosskampf als eine sehr hohe Hürde herausgestellt hat. Dieser ist ohne die Power-Ups nämlich kaum zu bewältigen und so kann man getrost von vorne anfangen, sollte man das Pech haben währenddessen mehrmals draufzugehen. Gerade der moderne Spieler von heute wird die Gesamtdauer von Nex Machina als ungewohnt kurz empfinden, denn vom Anfang bis zu den Credits vergehen etwas weniger als zwei Stunden. Für das Genre der Shooting Games ist das aber eine absolut normale Länge und die Königsdisziplin besteht darin die ganze intensive Reise mit nur einem einzigen Continue, dem sogenannten 1CC zu überstehen. Dafür gibt es sogar eine hübsche Trophäe, die man stolz seinen Freunden vorzeigen kann.

Im Highscore-Rausch

Nex Machina

Am Ende einer jeden Welt werden eure Punkte abgerechnet

Ein Shooting Game wäre aber äußerst langweilig, wenn das gesamte Spielprinzip nur aus dem stumpfen Zerballern von Gegnern bestehen würde. Was dem Ganzen die notwendige Würze gibt, sind Möglichkeiten und Tricks seinen Punktemultiplikator in die Höhe schnellen zu lassen. Nex Machina bietet hier ein ganzes Füllhorn an Möglichkeiten. Es beginnt bei der Rettung von Zivilisten, die wie Zombies auf ihre Tablets starren und hilflos in der Gegend herumtapsen, und hört bei diversen zerstörbaren Bonusfeinden oder Geheimlevels auf. Dies ermöglicht die Entwicklung von Strategien um beim nächsten Durchlauf einen noch höheren Rang in der Online-Highscore-Liste zu erklimmen. Besonders beeindruckend ist hier übrigens die Replay-Funktion, durch die man die Versuche anderer Spieler nacherleben kann und sich so den einen oder anderen Kniff abschauen kann.

Geteiltes Leid – geteilte Freud

Nex Machina

Für das Bestehen von Herausforderungen verdient man Credits. Damit lässt sich die eigene Spielfigur anpassen

Wie im Jahr 1990 lässt euch Nex Machina zusammen mit einem Kumpel gegen die mörderische KI antreten. Hier kann man loben, dass es einen Couch Co-Op gibt, der bei heutigen Spielen leider sehr rar geworden ist. War es dennoch notwendig auf den Online Co-Op zu verzichten? Nicht immer hat man jemanden für eine Runde zur Hand. Zwar bedeuten zwei Spieler die doppelte Feuerkraft doch damit alles nicht zu einfach wird, gibt es selbstverständlich Einschränkungen. Gerade bei größeren Leveln fällt es einem schnell auf, dass man sich nicht zu weit voneinander entfernen sollte. In solchen Situationen zoomt die Kamera dann zu weit heraus und das ganze wird sehr schnell unübersichtlich. Wäre ein Splitscreen hier die bessere Lösung gewesen? Ein anderes Hindernis wird vielen Spielern bekannt vorkommen, die schon einmal das gute, alte Contra auf dem Nintendo Entertainment System zu zweit gespielt haben. Ganz genau! Man teilt sich seine Leben mit seinem Mitspieler. Sollte sich also einer extra doof anstellen, spürt es der andere ebenfalls. Müssen Anfänger sich deswegen also von der Action fernhalten? Erfahrene Spieler werden diese Designentscheidung aber begrüßen. Mit einer umschaltbaren Optionseinstellung hätte man sicher beide Gruppen zufrieden stellen können.

Neonfarbenes Sinnesfeuerwerk

Nex Machina

Die ganze Spielwelt scheint aus Würfeln zusammengesetzt zu sein

Zunächst kann man die Eindrücke von Nex Machina mit einem Wort beschreiben: „Reizüberflutung“. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich jedoch an diese knallbunte, neonfarbene Optik. Housemarque hat ein Effektfeuerwerk aus leuchtenden Projektilen und Explosionen erschaffen, bei dem man aber trotzdem den Überblick behält. Die Gegner heben sich stets vom Hintergrund ab, so dass man keine Probleme damit hat sie zu übersehen. Rettet man einen Menschen, dann zeigen mehrere grüne Pfeile den Weg zum nächsten, was das ganze noch übersichtlicher gestaltet. Als recht abgefahren gestalten sich die Übergänge zwischen den einzelnen Stages, bei denen man der Schwerkraft trotzend sämtliche Seiten der würfelartigen Levelgebilde abklappert und sich mit seinem Jetpack immer wieder in neue Getümmel stürzt. Einzigartig ist auch die Tatsache, dass alles aus kleinen Würfeln zu bestehen scheint, die wie Sand auseinanderpurzeln, wenn man Gegner zerfetzt. Der Synthie-Pop Soundtrack von Ari Pulkkinen, Tuomas Nikkinen und Harry Krueger schmiegt sich dabei nahtlos an das Bildschirmgeschehen an und trägt entscheidend zur Neo-80ger Stimmung des Spiels bei. So ertappt man sich immer wieder dabei ihn auf Dauerschleife laufen zu lassen. Etwas was man wirklich nicht von jedem Spiel heutzutage behaupten kann.

Nex Machina
Sergej Huss
editor

Fazit:

Nex Machina ist ein knallharter Twin-Stick Shooter, welcher sich an Fortgeschrittene, oder Einsteiger mit viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, richtet. Die Spielzeit von etwas weniger als zwei Stunden verteilt sich auf sechs Welten mit jeweils 15 Stages, während der man keine Sekunde zur Ruhe kommt und ständig blitzschnelle Entscheidungen treffen muss. Das mag heutzutage als etwas kurz erscheinen, doch bis man den finalen Boss knackt werden einige Anläufe fällig. Das tiefgreifende Punktesystem und die plattformübergreifenden Highscore-Listen sind zusätzlichee Anreize um sich fortgeschrittene Strategien anzueignen und sein Können zu verbessern. Soundtrack und Optik sind perfekt aufeinander abgestimmt und vermitteln einem den Eindruck eines Musikvideos von einem der zeitgenössischen Synthie-Pop Künstler wie Perturbator oder Carpenter Brut. Einzig die minimalistische Präsentation, der fehlende Online Co-Op und der extreme Schwierigkeitsanstieg beim letzten Endgegner trüben den sonst großartigen Eindruck. Es ist aber auf jeden Fall einer der bisher unterhaltsamsten Titel dieses Jahres und für 20€ kriegt man hier wirklich etwas für sein Geld geboten!

Good

  • Intuitives Gameplay
  • Lokaler Co-Op
  • Highscore-Listen mit Replayfunktion
  • Einzigartige Optik
  • Großartiger Soundtrack

Bad

  • Keinerlei Handlung
  • Fehlender Online Co-Op
  • Extremer Schwierigkeitsanstieg bei letztem Boss
8.5

Sehr Gut

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