Ghost Blade HD Ghost Blade HD Test (Playstation 4/PC/Xbox One/Wii U) – Packender Kugelhagel aus Deutschland

Ghost Blade HD und das Dreamcast-Erbe

Ghost Blade HD ist ein Shooting Game (STG) des deutschen Indiestudios Hucast Games, welches für Windows PC, PlayStation 4, Xbox One und Wii U erschienen ist. Bei Ghost Blade HD handelt es sich um einen Port des gleichnamigen SEGA-Dreamcast-Titels, welcher im Jahr 2015 erschienen ist. Zwar hat SEGA die Produktion ihrer letzten Konsole bereits im Jahr 2001 eingestellt, dennoch wird von einer ganzen Reihe kleinerer Entwicklungsstudios auch heute noch fleißig neues Futter für die Kultkonsole produzieren. Das auf die Spezifikationen aktueller Konsolen angepasste Ghost Blade HD kann als Downloadtitel für 8,99€ in den Online-Shops der unterschiedlichen Systeme erwerben.

Shooting Games sind keine Ego-Shooter!

Solch ein Chaos ist eher die Regel als Ausnahme

Die meisten Gamer sind auf die eine oder andere Art und Weise mit dem STG-Genre bereits in Verbindung gekommen. Damit sind nicht etwa die heute allgegenwärtigen First-Person-Shooter, sondern klassische 2D-Ballerspiele gemeint, in denen man oftmals ein einziges Raumschiff über den Bildschirm lenkt, um eine ganze Armada von feindlichen Raumschiffen vom Himmel zu pusten. Während dieses altehrwürdige Genre heutzutage ein Nischen-Dasein fristet, war sie in den 1980ern und 1990ern allgegenwärtig und für den Boom von der Gaming-Szene in den Spielhallen verantwortlich. Eine nette Anekdote wäre da etwa der Erfolg von Space Invaders des Studios Taito. In seiner Blütezeit wurde der Automat in Japan so häufig in den Spielhallen gespielt, dass es kurzzeitig einen Mangel an 100-Yen-Münzen gegeben hat. Ghost Blade HD gehört zum Untergenre der sogenannten Danmaku-Shooter. „Danmaku“ im Volksmund schlicht „Bullet Hell“ bedeutet auf Deutsch „Sperrfeuer“ und fasst die Eigenarten dieser Spiele perfekt in einem Begriff zusammen. Zu jeder Zeit wird der Bildschirm mit hunderten feindlicher Projektile geflutet, deren Feuermuster an Blüten oder buntes Feuerwerk erinnern. Der Spieler muss sein Raumschiff vorsichtig durch diese Kugelhagel navigieren und dabei darauf achten, dass er noch Zeit findet, die das Feuer auf die Feinde zu erwidern.

Inmitten des Kugelhagels – Das Danmaku-Spielprinzip

Einer der Gründe, weshalb der geneigte Zocker von heute sich davor scheuen könnte, sich mit STGs im allgemeinen und Danmaku im besonderen auseinanderzusetzen, ist der oftmals knackige Schwierigkeitsgrad. Diese Spiele sind zwar mit einer Spieldauer von circa einer Stunde recht schnell beendet, doch diese Stunde ist dafür ein Ritt durch die Hölle. Zwar kann sich fast jeder mit genug Extra-Versuchen bis zum letzten Endboss quälen, aber die Königsdisziplin hier ist der „1 Credit Continue Run“ (1CC). Konkret bedeutet dies, dass man einen kompletten Durchlauf schaffen muss, ohne dabei den gefürchteten Continue-

Ghost Blade HD

Der gezielte Einsatz von Bomben ist überlebenswichtig!

Bildschirm zu sehen, den man aus der Spielhalle kennt. Ghost Blade HD gewährt dem Spieler für den Anfang drei Continues, wobei man durch geschicktes Spielen zusätzliche freischalten kann. Sind alle aufgebraucht, heißt es: Game Over! Deshalb ist der taktische Einsatz der limitierten Bomben überlebenswichtig: Diese säubern den Bildschirm für kurze Zeit vom Kugelhagel und richten zudem schweren Schaden an der Gegnerhorde an. Ein Einsteiger muss deshalb lernen, dass es besser ist, eine Bombe zu opfern um sich aus einer verzwickten Lage zu befreien, als eines der wenigen, wertvollen Leben zu verlieren. Wird man doch vom Gegner getroffen und verliert so ein Extra-Leben, werden die Bombenreserven wieder aufgestockt. Eine zusätzliche Stütze ist die markierte Trefferzone (Hitbox) des eigenen Raumschiffes. Dieser ist um einiges kleiner, als die dargestellte Spielerfigur, wodurch man exakt erkennt, wann ein feindlicher Treffer auch als solcher gewertet wird. Nach einer Weile lernt der Spieler so, sich automatisch auf die Lücken im Kugelhagel des Gegners zu konzentrieren und sich geschickt hindurch zu manövrieren. Um sich gegen die gegnerischen Raumjäger zur Wehr zu setzen, kommen zwei Feuermodi zum Einsatz: Der erste ist ein weiter Streuschuß, der schnelle Bewegungen ermöglicht und gut dafür geeignet ist, um den Bildschirm vom vielen kleinen Feindjägern zu säubern. Für die großen Brummer gibt es Fokus-Feuer, welches die Feuerkraft auf einen einzelnen Punkt konzentriert sowie das eigene Raumschiff zusätzlich verlangsamt, wodurch man koordinierter durch das Sperrfeuer fliegen kann. Die Anforderung sich in sekundenschnelle zwischen diesen beiden Schussarten entscheiden zu müssen, bringt zusätzliche taktische Tiefe in das Spiel.

Hart aber fair

Am Anfang des Einsatzes hat der Spieler die Wahl zwischen drei Raumschiffen. Die Schussmuster ähneln sich alle und der einzige spieltechnische Unterschied zwischen den unterschiedlichen Modellen liegt im verursachten Schadenswert und einer geringfügig anderen Streuung der Projektile. Bedeutender sind bei Ghost Blade HD die Unterschiede zwischen den verschiedenen Schwierigkeitsgraden, wodurch das Speiel einen guten Einstiegspunkt für Genre-Neulinge bietet. Zur Auswahl stehen „Leicht“, „Normal“ und „Schwer“. „Leicht“ ist gut geeignet um die Fahrwasser des Danmaku-Genres erst einmal in Ruhe auszuprobieren und um sich auf das hektische Treiben am Bildschirm zu gewöhnen. Hier ist besonders die

Ghost Blade HD

Am Ende von jeder Stage werden eure Punkte abgerechnet

automatische Bombenfunktion besonders hilfreich. Wird man von einer Kugel getroffen, so verliert man zuerst eine der Bomben anstatt einem Leben. Deswegen schaffen es auch Anfänger bereits nach wenigen Versuchen bis zum letzten Endgegner. Auf „Normal“ arbeitet man sich zum eigentliche Kern des Danmaku-Erlebnisses vor. Zum ersten Mal muss man seine aus dem leichten Schwierigkeitsgrad erlernten Fähigkeiten unter echten Bedingungen erproben. Beim ersten Versuch als Neuling kommt man mit Glück gerade bis zum

zweiten der insgesamt fünf Level. Wer jedoch am Ball bleibt, lernt schnell die unterschiedlichen Streumuster der feindlichen Geschosse auswendig und findet sich trotz des hektischen Treibens immer besser innerhalb der Schusslinie zurecht. Erste Erfolgserlebnisse stellen sich so recht schnell ein und der Ehrgeiz packt einen, beim nächsten Durchlauf noch ein Stückchen weiter zu kommen! Als jemand der sich nur selten mit STGs beschäftigt, konnte ich nach etwas Übung und etwa circa vier Stunden Spielzeit den Abspann erblicken. Auf „Schwer“ bietet das Spiel die größte Herausforderung: Nicht nur, dass die Anzahl der Gegner und Kugeln noch einmal ordentlich nach oben geschraubt wird, der Abschuss bestimmter größerer Flieger erzeugt auch noch zusätzliche Geschosse, die das Spieler-Leben erschweren! Es wird also für jeden Erfahrungsgrad die richtige Herausforderung geboten, stets mit Luft nach oben. Für Perfektionisten gibt es einen Trainingsmodus, mit dem jede Stage oder Boss-Taktiken noch einmal einzeln geübt werden können. Die Früchte des eigenen Erfolges – der High Score – kann sowohl lokal als auch in einer Online-Liste mit anderen Spielern verglichen werden.

Have it your way

Als angenehm erwiesen sich die grafischen Einstellungsmöglichkeiten im Optionsmenü. Es kann neben der Helligkeit des Hintergrundes auch die der Explosionen und der Transparenz von bestimmten Power-Ups einstellen. Diese Funktionen erleichtern die Orientierung am Bildschirm, die bei der gigantischen Menge an Kugeln, die einem ständig um die Ohren fliegen, durchaus leiden kann. Diese Einstellungen können jederzeit über das Pausenmenu angepasst werden, wodurch die Auswirkungen auf die Darstellung sofort ersichtlich sind. Besonders lobenswert ist auch, dass sich die Kugeln durch ihre grellen Neonfarben stets gut vom Hintergrund abheben und sie dadurch leicht von nützlichen Gegenständen (Power Ups) unterscheiden kann. Die Action präsentiert sich in scharfem 1080p und flüssigen 60 Bildern die Sekunde. Während der sechs Stunden Spielzeit konnte ich keinerlei Bildrateneinbrüche feststellen. Sind jedoch

Ghost Blade HD

Die bildschirmfüllenden Bosse sind ein Highlight!

extrem viele Kugeln auf dem Bildschirm, so verlangsamt sich das Spiel etwas. Das ist aber kein Makel, sondern eine eingebaute Soft-Slow-Funktion, die für Danmaku-Shooter typisch ist und dem Spieler das Leben etwas einfacher macht. Sie kann jedoch ebenfalls im Menü abgestellt werden. Während der größte Teil der Präsentation solide ist, sind die Wasser- und Explosionseffekte ein kleiner Wermutstropfen. Sie wirken lieblos und erinnern, im Gegensatz zu den anderen schönen Darstellungen, eher an GIF-Bilder mit schlechter Auflösung. Zuletzt gibt es noch einen ulkigen Bonus für das authentische Spielhallengefühl daheim: Der TATE-Modus (gesprochen: Tah-te) kippt das Bild um 90°, wodurch die schmaleren, aber dafür höheren Bildschirme der Vertikal-Shooter-Arcadeautomaten simuliert werden. Das ist ein schönes Feature für Arcade-Nostalgiker. (Die Redaktion haftet allerdings nicht für Bildschirmschäden, die durch den Versuch entstehen könnten seinen 40-Zoll-LCD-Fernseher auf die Seite zu kippen!)

Inmitten treibender Beats

Der Soundtrack wurde von Rafaell Dyll komponiert, der auch die Musik für Söldner-X2 und Rainbow Skies stellte. Zusätzlich zur normalen Version gibt es bei Ghost Blade HD auch eine Remix-Variante. Egal für welche Version man sich entscheidet, bindet sich der von J-Pop inspirierte Technosound gut in den Spielefluss ein, sodass eine gelungene Trance aus bunten Farben, hartem Gameplay und treibenden Beats ensteht. Beim Spielen konnte ich mich immer wieder dabei erwischen, wie ich mit dem Fuß zum Takt der Musik wippte! Das Erlebnis wäre perfekt gewesen, wenn der letzte Boss – wie bei vielen anderen STGs – eine eigene Melodie gehabt hätte. Das ist aber auch schon Jammern auf hohem Niveau.

Klamme Geschichte

Eine viel diskutierte Frage ist, ob Gameplay oder eine gelungene Geschichte wichtiger für den Erfolg eines

Ghost Blade HD

Das Charakterdesign ist ausgezeichnet!

guten Spieles sind. Ghost Blade HD beantwortet diese Frage etwas einseitig zugunsten des Gameplays. Zwar waren Shooting-Games noch nie für ihre ausgefallenen Handlungen berühmt, aber in diesem Fall wird die Geschichte fast komplett unter den Teppich gekehrt. So konnte ich nur per Zufall auf der Webseite der Entwickler erfahren, dass es im Spiel um den Kampf gegen eine abtrünnige künstliche Intelligenz auf dem Mars geht. Schon ein kurzes, digitales Handbuch hätte hier leicht

Abhilfe schaffen können. Das Charakterdesign der drei weiblichen Piloten ist äußerst gut gelungen und erinnert an Pin-Up-Bilder der 1950er Jahre mit einem etwas futuristischerem Anstrich. Umso bedauernswerter ist es, dass man diese drei knackigen Charakter nur während der Raumschiffauswahl am Anfang des Spieles, jedoch danach nie wieder sieht. Bei einem so tollen Design wären kleine Einblendungen zwischen den Leveln toll gewesen. Hier wird leider eindeutig Potential verschenkt. Auch hätte ich gerne einen kurzen Epilog nach dem finalen Kampf gesehen. Die simple „Thank you for playing!“-Einblendung ist irgendwie keine befriedigende Belohnung, nachdem man nur knapp den Kugelhagel der bösartigen KI überlebt hat.

Ghost Blade HD
Sergej Huss
Editor

Fazit:

Ghost Blade HD überzeugt mit einem kompromisslosen, fordernden Spielprinzip, das aber nie unfair wird. Auf sämtliche Situationen kann man sich – genügend Übung vorausgesetzt – einstellen. Der Schwierigkeitsgrad soll zwar im Vergleich zu ähnlichen Titeln deutlich leichter ausfallen, aber das kann man als Stärke sehen, bietet es dadurch einen guten Einstieg für am Genre interessierte Neulinge. Der gut sichtbare Farbenregen der gegnerischen Kugeln und der treibende Soundtrack vermischen sich zu einem adrenalingeladenen Erlebnis. Für den Preis von 8,99€ werden einem 5-10 intensive Stunden an Spielspaß geboten, zu denen man auch nach einer Auszeit gerne wieder zurückkehrt. Einzig die schwache Präsentation der Spielegeschichte trübt das Erlebnis etwas. Zwar ist eine Handlung nicht das entscheidende Bewertungskriterium bei diesem Genre, aber das völlige Fehlen von dieser hinterlässt ein leichtes Verlangen, welches man durch einfache Mittel hätte stillen können. In einer Zeit, in der oft über die übermäßige Vereinfachung von Spielen geklagt wird, ist dieser Titel eine willkommene Herausforderung für den modernen Zocker von heute. Alleine wegen des großen Erfolgserlebnisses, welches man durch etwas Übung recht schnell bekommt, gilt für mich: Klare Kaufempfehlung!

Good

  • Treibendes Gameplay
  • Anspruchsvoll aber fair
  • Gut sichtbare Feindgeschosse
  • Guter Soundtrack
  • Anpassbare Anzeige

Bad

  • Unschöne Explosionen und Wassereffekte
  • Keine Handlung vorhanden
7.5

Gut

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